Wenn aus gutem Handwerk Kunst wird

Die Malermeisterin Heidi Zilmer ist die Meisterin der Verwandlung. Sie kreiert nicht nur fantastische Effekte in den Räumen, die sie in Stand setzt, sondern skizziert auch ein beeindruckendes Bild davon, wie Leidenschaft und fachlich fundiertes Wissen ein Handwerk weiterentwickeln können.

Blattgold – das ultimative Meisterwerk

Blattgold ist 1/7000 bis 1/9000 mm dünn. Wenn es auf dem Pinsel liegt, ist Zittern nicht erlaubt. Heidi Zilmer ist gerade damit beschäftigt, ein Sonnen-Wohnzimmer in einer Patriziervilla im dänischen Aarhus zu vergolden, was sie als ihr „ultimatives Meisterwerk“ bezeichnet. Ihr Lächeln strahlt mit den Wänden um die Wette, während sie von der umfassenden Kooperation berichtet, die schon seit 2010 mit den Besitzern besteht.

Das Blattgold, das sie mit Präzision auf die Wand aufträgt, hat alleine einen Wert von ca. 2.700 Euro, aber der Pinsel ist bei Heidi Zilmer in allerbesten Händen. Sie ist nämlich Dänemarks unangefochtene Expertin, was aufwändige Dekorbemalung betrifft. Man ruft sie an, wenn man eine Wand so bemalen lassen möchte, dass sie einer Holz- oder Marmorwand gleicht, wenn man moderne Street-Art oder Bücher an die Wand gemalt haben will oder eine handbedruckte Tapete als Einzelstück in Auftrag geben möchte. Im Fall der vergoldeten Tapeten liegt der Kostenpunkt bei 2.700 Euro pro Bahn.

Eine Handwerkerin der Extraklasse

Heidi absolvierte 1998 die Ausbildung zur Malerin. Seit 2009 ist sie Diplommalerin und wurde 2010 im „Salon“ aufgenommen, dem internationalen Verband der Dekormaler. Da letzterer nur 200 Mitglieder zählt, besteht kein Zweifel daran, dass Heidi Zilmer eine Handwerkerin der Extraklasse ist.

Somit ist sie auch in Dänemark und im Ausland gefragt, bei privaten Designfans und in bekannten Unternehmen wie dem Lampenhersteller Louis Poulsen gleichermaßen, der u. a. Heidi Zilmers Tapete im Katalog verwendet hat. Aber wohl noch viel wichtiger ist ihre leidenschaftliche Motivation für das Malergewerbe:

„Seitdem ich zum ersten Mal gesehen hatte, was ein kompetenter Dekormaler fertigen kann, habe ich mir das Ziel gesetzt, mich fachlich weiter zu entwickeln. Ich bin nämlich sehr stolz darauf, Malerin zu sein. Es ist ein Handwerk, das Präzision und Geduld erfordert und bei dem die Kreativität ein entscheidender Faktor sein kann. Es ist kein Beruf, den alle meistern können.”

Ein Teil der stolzen Geschichte des Malergewerbes

Es besteht kein Zweifel daran, dass sie recht hat, wenn man ihr bei der Arbeit über die Schulter schaut. Man muss einfach gegen die Fußleisten klopfen um zu überprüfen, ob sie nicht doch aus Holz sind. Sie sind aber so bemalt, dass sie wie Holz aussehen. Ebenso starrt man fasziniert, wenn man dabei zusieht, wie sie mit ihrem Pinsel Raumtiefen erschafft, die nicht existieren.

Heidi Zilmer ist dabei aber nicht der Typ, der sich in der Bewunderung der anderen sonnt. Sie hebt stattdessen hervor, dass ihre Arbeit nicht neu ist, sondern Teil einer stolzen Geschichte ist:

„Vor 100 Jahren musste man fotografisch malen können, um den Gesellenbrief zu erhalten. So musste man ein Haus streichen können und ein Porträt der Bewohner zeichnen können. Damals war das Zeichnen und Imitieren von Marmor und Holz ebenfalls ein Bestandteil der Ausbildung. Viele der berühmten alten dänischen Maler des so genannten Goldenen Zeitalters Anfang des 19. Jahrhunderts begannen als Gebäudemaler.“

Es muss genügend Raum zum Entfalten da sein

In der Patriziervilla legt Heidi Zilmer gerade die letzte Hand an einer Decke mit Wolkenmotiv an. Der Effekt ist verblüffend, und der Himmel ist ein passendes Sinnbild dafür, wie weit Heidi Zilmers Ehrgeiz reicht:

„Früher erstellten die Maler sehr beeindruckende Dekorationen in Privathaushalten. Heute besteht die Arbeit der Maler zu 80 % aus anstrengender körperlicher Arbeit, und nur ein Bruchteil ist kreativ. Dies ändert sich aber zum Glück gerade. Es werden mehr Farben und Tapeten nachgefragt. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Jugendliche, die heute die Ausbildung beginnen, sehr kreativ sind und leidenschaftlich gerne Dekorationen herstellen. Sie haben ein Interesse am Erlernen der alten Techniken, was mich Hoffnung schöpfen lässt – für die Branche und die fachliche Kompetenz.“

Die Arbeitskleidung muss durchdacht sein

Dass Heidi Zilmer Qualität und Fachkompetenz auch in Bezug auf Arbeitskleidung wichtig ist, überrascht kaum. Sie sagt:

„Man trägt sie ja den halben Tag lang. Sie muss gut sitzen, und die Hosenlänge muss passen. Es klingt vielleicht banal, aber die Kleidung darf nicht einlaufen, wenn man sie wäscht. Sie muss flexibel sein, so dass sie zur Arbeitssituation passt – egal, ob man sich in die Höhe reckt, sich nach unten beugt, auf den Knien oder gestreckt arbeitet. Hierfür sind Stretchhosen sehr schön und praktisch.“

„Und dann ist ein gutes Kniepolster-System wichtig, denn wir müssen in unserem Gewerbe wirklich auf unsere Knie achten. Die Kniepolster dürfen nicht seitlich verrutschen, so dass man halb ungeschützt auf dem Boden kniet. Die Taschen müssen eng anliegen, damit sie nicht an der Leiter hängen bleiben. Pullover, T-Shirts und Hemden müssen extra lang sein, damit keine peinlichen Rücken-Einblicke gewährt werden, wenn wir am Boden arbeiten. Wichtig ist auch noch, dass die Kleidung atmungsaktiv und ähnlich wie Sportkleidung aus einem angenehmen Stoff ist, damit man nicht schwitzt und im Winter nicht friert.“

"In ein Paar
Kansas Hosen oder
ein Jersey zu schlüpfen,
ist ein bisschen wie
​​​​​​​nach Hause kommen“

Kansas ist ein wenig wie eine zweite Haut

„Die Arbeitskleidung von Kansas trage ich bereits während meiner gesamten bisherigen beruflichen Laufbahn. Sie passt gut zu mir, da auch bei Kansas das Handwerk und die Tradition einen hohen Stellenwert haben. Das ist mir auch bei meiner Arbeit wichtig: innovatives Denken und das Erhalten der Wurzeln. Dass man sich die Kernkompetenzen und die wichtigsten Werte in Erinnerung ruft. Deshalb fühlen sich die Hosen oder ein Pullover von Kansas ein wenig wie eine zweite Haut an, die genau zu mir passt.”